Schwäbisches Schnapsmuseum
Am Anfang war der (destillierte) Alkohol...
Die Kulturgeschichte des Alkohols ist im Schwäbischen Schnapsmuseum in verschiedenen Themenbereichen dargestellt. Am Anfang war der destillierte Alkohol kostbare Medizin und wurde als aqua vitae, als Wasser des Lebens, vor allem von Frauen hergestellt. So gilt ein Destilliergerät aus Konstanz in Frauenform als ältester Alkoholbeleg in Deutschland. Erst die Entwicklung wirkungsvollerer Destilliergeräte gestattete die wirtschaftliche und damit preiswerte Herstellung des gebrannten Weines, der nun als Genußmittel Furore machte. Im 15. Jahrhundert setzen deshalb auch die ersten Vorhaltungen gegen das "geprannte Wasser" ein.
Steuererhebungen für die Schnapsbrennerei sollten die Sucht eindämmen, waren aber gleichzeitig eine willkommene Geldquelle des Staates. Die Kulturgeschichte des Alkohols ist im Schwäbsichen Schnapsmuseum in verschiedenen Themenbereichen dargestellt. Ein ausführlicher Raum ist der Entwicklung der Destillationstechnik gewidmet. Seit der Erfindung eines funktionsfähigen Alkoholdestillationsgerätes, deren ältester Nachweis aus dem 11. Jahrhundert aus Salerno in Italien stammt, haben sich die Geräte bis heute kontinuierlich weiterentwickelt. Der älteste Alkoholdestillationsbeleg Deutschlands, ein Rosenhut in Frauenform aus Konstanz von 1250, ist unter dem Thema "Heilung durch Wasserbrennerinnen" zu sehen. Weise Frauen, Hebammen und Wasserbrennerinnen, die Arzneien durch Destillation herstellten und einen reichen Erfahrungsschatz in volksmedizinischen Heilmethoden besaßen, wurden in der Neuzeit von der Standesorganisation der Ärzte und Apotheker in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Man verunglimpfte die beliebten Heilerinnen als Kurpfuscherinnen oder verbrannte sie als Hexen, weil sie eine starke Konkurrenz darstellten. So wurden die Frauen aus dem Handwerk des Destillierens und bis ins 20. Jahrhundert aus anerkannten Heilberufen verdrängt.

"Unter den Augen des Gesetzes" - heißt der Titel einer Abteilung, die sich mit dem Steuerrecht beschäftigt. Die Stationen der Branntweinsteuer-Gesetzgebung zeigen, daß der Staat schon lange den Schnaps als Geldquelle erkannt hatte. In Württemberg erhob die Obrigkeit 1695 eine Schankabgabe. Damals war das Land von 1688 - 1697 im Krieg mit Frankreich schwer verwüstet und in große Finanznot gekommen. 1871 erhielten Bayern, Württemberg und Baden bei der Gründung des Deutschen Reiches Reservatrecht zur Beibehaltung ihrer eigenen Besteuerung. Dieser Entscheidung haben die süddeutschen Kleinbrennereien ihre Existenz zu verdanken, mit verblüffender Aktualität im EG-Binnenmarkt. 24.000 Kleinbrennereien gibt es noch heute in Baden-Württemberg. Ein Thema ist mit "Aus Obst wird Alkohol" überschrieben. Hier sind die Grundlagen dargestellt, illustriert durch Graphiken und Abbildungen.

Die Brennereitechnik ist durch alte Brenngeräte mit Stangen- und Schlangenkühler, mit Maischeabscheider und Verstärkereinrichtungen dargestellt und wird weiter ergänzt. Bei der Alkoholometrie kann der Besucher in der Schüttelprobe den unterschiedlichen Alkoholgehalt an der Blasenbildung erkennen. Eine fleischwolfähnliche Tresterkäspresse zeigt die Resteverwertung in der Brennerei. Eine eigene Abteilung "Geheimbrennerei - Schwarzbrennerei" zeigt die Bestrebungen, die Abgaben der Alkoholsteuern zu umgehen. In der Kriegs- und Nachkriegszeit war der Schnaps ein begehrtes Schwarzmarktmittel. Geheimbrennereien aus jener Zeit zeigen den Erfindungsreichtum, wobei auch Abfallprodukte des Krieges verwendet wurden. Die Aktualität der geheimen Schnapsproduktion zeigen jüngst beschlagnahmte Geräte, die zum Beispiel aus Strafvollzugsanstalten stammen. Besonders empfehlungswert ist eine Schnapsprobe mit rustikalem Vesper sowie eine Stadtführung durch die historische Ganerbenstadt Bönnigheim.
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Am 2. Mai 2010 um 14 Uhr ist die Eröffnung der diesjährigen
Sonderausstellung im Schwäbischen Schnapsmuseum
"Giftmorde im Steinhaus - Rezepte der Agatha Christie"

Die Ausstellung ist jeweils sonntags von 14 - 17 Uhr geöffnet
Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall ! Wir freuen uns auf Ihr Kommen !
Weitere Informationen zur Ausstellung 2009, 2008, 2007 und zum Schwäbischen Schnapsmuseum
finden Sie auf der
und unter:
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